Weniger Shitstorm – mehr das mit dem „Miteinanderreden“


Julia Schramm (Foto: Ben de Biel)

Julia Schramm (Foto: Ben de Biel), Quelle: http://www.flickr.com/photos/bendebiel/6980217812/

und wie ich meine Meinung zu und über Julia Schramm änderte.

[UPDATE] // AKTUALISIERUNG:

Heute (26.10.2012) wurde über stern.de (nein den Link verlinke ich nicht!) bekannt, dass Julia Schramm angeblich vom Posten des Beisitzers im Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland zurücktritt. 
Das finde ich persönlich sehr schade, erstens – es über die Presse zu erfahren, das hätte sie eigentlich auch zuerst intern über unsere Mailinglisten und über die Mitgliederverwaltung verschicken können und dann persönlich der Shitstorm der sofort über Twitter einsetzte, und alle die Julia nicht leiden konnten jubeln zu sehen/hören etc.. Solange es von Julia noch kein offizielles Statement oder eine Erklärung hierzu gibt, finde ich es schade, über irgendwelche Dinge zu spekulieren oder sie zu diffamieren oder zu beschimpfen.  Julia’s Blogeintrag hierzu bitte lesen!

Wir sind doch die Basis einer Partei und sollten in schwierigen Zeiten, auch bei Rücktritten die Meinung der Person akzeptieren und respektieren. Daher – bitte mehr Respekt an Julia – unabhängig ihrer Fehltritte, die sie sicher auch selbst weiß. Danke.

Ja, ich habe meine Meinung zu Julia geändert. Und ich bin sehr froh darüber. Während der Frankfurter Buchmesse hatte ich die Gelegenheit bei einem Dialogvortrag zwischen Sascha Vogt (Bundesvorsitzender der Jusos) und Julia Schramm (Beisitzerin im Bundesvorstand der Piratenpartei Deutschland) zuzuhören (ich kam leider zu spät, erlebte daher die restlichen 10 Minuten) und da ging es auch um ihr Buch „Klick mich!„. Aber eher am Rande. Julia hat sich sehr stark für CreativeCommons, die Ziele und Visionen der Piratenpartei eingesetzt und sich für mehr Medienkompetenz-Aufklärung ausgesprochen. Immer wieder hat sie Positionen der Piraten verteidigt. Das hatte ich persönlich nicht erwartet. Ging es die letzten Wochen doch recht heftig um sie und ihr Buch her. Auch ich habe gegen sie gewettert und war sauer über ihr Ausnutzen der prominenten Stellung, die sie durch ihre Position in der Partei erhalten hat bezüglich des Buches.
Auch in Hessen auf der Hauptmailingliste PPH gab es mehrere Threads dazu, es wurde gelästert und in Julia-Fans und Julia-Hassern aufgetan. Und ja, auch ich war daran beteiligt, das streite ich nicht ab, habe immer wieder betont, dass ich zu der Gruppe von „Ich-habe-Julia-nicht-in-Neumünster-gewählt“ gehöre.

Nachdem die Diskussionsveranstaltung bei der Buchmesse zu Ende war, hab ich das direkte Gespräch mit Julia gesucht. Wir haben uns für Abends mit anderen Piraten verabredet, auch weil ich mich bei ihr entschuldigen wollte – sie kannte mich aus ihrer Twittertimeline und von Erzählungen anderer Piraten, daher wollte ich einfach mal viele Dinge ausräumen.

Abends dann mit anderen Piraten in Bockenheim in eine gemütliche Kneipe eingekehrt und offen miteinander gesprochen. Und ich muss sagen, das war ein toller Abend. Wir haben über viele Dinge gesprochen, auch Kritik geäußert und auch geklärt. Sie ist eine umstrittene Person, natürlich auch innerhalb der Piratenpartei, jedoch hat mir die kurze Zeit und das lockere und ehrliche Gespräch an dem Abend auch vor Augen geführt, das meine Meinung über sie viel über die Berichterstattung durch gewisse Print- und Onlinemedien geprägt war.

Wir haben nicht nur über Piraten gesprochen, sondern auch über aktuelle Serien oder Filme, und ich merkte, das wir eine gemeinsame Sitcom-Leidenschaft haben und Sitcoms wie „2 Broke Girls“ oder „Friends“, „The Big Bang Theory“ und ähnliches sehr gerne anschauen und mögen. Nur als kleiner Auszug vom netten Abend. Ich hab mit ihr dann auch darüber gesprochen, das ich das was hier zu lesen ist, verbloggen würde – weil mir das auch wichtig ist, das es auch positive Reaktionen über Julia gibt. Sie hat ihre Zustimmung hierfür gegeben. So viel Fairness darf sein😉

Ich habe ihr Buch nicht gelesen und auch nicht gekauft, noch hat sie mir eines geschenkt. Auch weiß ich nicht, ob ich ihr Buch lesen werde. Ich bin auch nicht immer hundertprozentig ihrer Meinung und bin auch kein Julia-Fan. Aber ich habe mich mit ihr unterhalten. Persönlich. Das hat mir gut getan, es konnten viele Vorurteile abgebaut werden. Wir haben einige Dinge gemeinsam.

Fazit? Nun, ich werde nicht mehr gegen Julia shitstormen (neudeutsch für lästern), wie ich es in der Vergangenheit getan habe, aber ich werde auch nicht kritiklos bleiben. Wenn mir Dinge oder Aussagen von Julia nicht gefallen, werde ich das auch weiter äußern, aber nicht mehr so heftig, eher schreibe ich eine E-Mail an sie mit meiner Meinung. Aber ich kann mir auch gut vorstellen sie bei Aktionen in der Piratenpartei zu unterstützen. Jedenfalls bin ich abgewichen von der Meinung sie solle als Beisitzerin zurücktreten.

Eine von vielen Erkenntnissen, die ich mitgenommen habe: Bundesvorstände sind auch nur Menschen. Sie sind keine Heiligen. Und wenn man mit ihnen normal spricht, freuen sie sich auch. Deshalb mehr das mit dem „Miteinanderreden“ versuchen, also auch mehr persönliche Gespräche und auch Telefonate. Und weniger Shitstorm!

Vielen Dank Julia für die Zeit und die Gespräche. Danke auch an Kevin, der das auch möglich gemacht hat. Freue mich schon auf das nächste Aufeinandertreffen.

Foto von Julia: Ben de Biel

8 Antworten zu “Weniger Shitstorm – mehr das mit dem „Miteinanderreden“

  1. Da hat sich offenbar einer verknallt…inhaltlich aber nur Larifari. Die Außendarstellung, im Zusammenhang mit den Bedingungen für Julias Buchveröffentlichung war katastrophal, und hat unserer Partei sehr geschadet. Jetzt kann Julia noch so stark gegenrudern, aber die Strrömung ist bereits zu stark, und der Wasserfall nahe…wir können nur hoffen, dass es da unten keine Spitzen Felsen gibt, und dass wir nicht ertrinken.

    Ohne Julias Bekanntheitsgrad als Mitglied des Vorstands der Piratenpartei Deutschlands hätte kein Hahn nach diesem Machwerk (entschuldige Julia – dein Stil ist pubertär) gekräht, und ich finde, Julia hat ihre Position missbraucht. – Wenn ich gewußt hätte, dass sie das tun würde, hätte ich ihr in Neumünster nicht meine Stimme gegeben. Mindestens zwei weitere haben ebenfalls versagt, ist halt offenbar kein so leichter Job, wie man dachte…Aber ihr habt ja recht, das Bashing des Vorstands muss aufhören, wir schaden uns damit nur selber. Mal gucken, ob ich das schaffe…kommt darauf an was sonst noch alles passiert.

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    • Wolltest Du dich eigentlich nicht von den Piraten zurückziehen? Sogar austreten? Darauf warten wir eigentlich alle, dann hätten wir genug von Dir!

      Dein „Wenn ich gewußt hätte, dass sie das tun würde,..“ ist doch panne, das war vorher schon bekannt und danach wurde sie bei der Wahl gefragt. Hast eben nicht aufgepasst, aber darum ging es hier in meinem Blogbeitrag auch nicht.

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  2. Ich habe Deinen Artikel jetzt gelesen. Ich weiß trotzdem noch nicht, was der Grund für Deine Meinungsänderung ist oder was Du vorher gegen Julia Schramm hattest. Meine Wahrnehmung ihrer geht, und das sage ich gern auch öffentlich, gegen null. Meine Wahrnehmung Deiner hast Du auf jeden Fall aber erheblich von ihrem vorigen Niveau gesteigert.

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  3. „Deshalb mehr das mit dem “Miteinanderreden” versuchen, also auch mehr persönliche Gespräche und auch Telefonate. Und weniger Shitstorm!“

    genau!

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  4. Persönliche Sympathie sollte niemals der Grund für politische Anerkennung oder Ablehnung sein. Insofern spielen deine Eindrücke eigentlich nur eine persönliche, politisch untergeordnete Rolle.

    Fakt ist, dass Schramm der Partei in der Öffentlichkeit maßgeblich geschadet hat. Und das war bei weitem nicht das erste Mal. Ich finde, sie sollte zurücktreten, um weiteren Schaden, der der Partei entstehen würde, abzuwenden.

    Dann kann sie von mir aus so viele Bücher mit Copyright schreiben, wie sie will. Es ist dann nicht mehr das politische Problem der Piratenpartei!

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  5. Pingback: Weniger Shitstorm – mehr das mit dem “Miteinanderreden” | Piraten | Scoop.it·

  6. Zu diesem Artikel veröffentlichte Schramm auf ihrem Blog eine Gegendarstellung , indem sie unter anderem den Vorwurf des Künstlerhasses von sich wies und darauf hinweist, dass Mühl das Gespräch mit ihr heimlich aufgezeichnet hat. Darüber hinaus wirft sie ihr unredlichen Journalismus und eine Verzerrung ihrer Aussagen vor. Der FAZ warf sie zudem vor, dass sie sich in den innerparteilichen Wahlkampf einer Partei einmische.

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