Stellungnahme @westfalenblatt bezüglich #Homophobie Vorwürfe und #Shitstorm #westfalenblatt


UPDATE: Nach der merkwürdigen Stellungnahme (siehe unten) gibt es weitere Neuigkeiten zu diesem Fall:

Zur Kolumne »Guter Rat am Sonntag« vom 17. Mai in der Sonntagszeitung »OWL am Sonntag«:

Der Artikel der freien Autorin Barbara Eggert in der Sonntagszeitung »OWL am Sonntag« vom 17. Mai hätte so in keinem Fall erscheinen dürfen. Er war fälschlicherweise mit der Redaktionsleitung nicht abgestimmt, und die Unternehmensgruppe WESTFALEN-BLATT distanziert sich ausdrücklich von seinem Inhalt. Zugleich trägt die Redaktion die volle Verantwortung für diese sehr gravierende journalistische Fehlleistung. Wir bitten für diesen Fehler um Entschuldigung. Frau Eggert wird fortan nicht mehr für uns schreiben, wir werden ihre Kolumne beenden.

Ulrich Windolph, Redaktionsleiter WESTFALEN-BLATT

Nun ja, der Imageschaden ist schon längst eingetreten. In einem aktualisierten Statement korrigiert das Westfalen-Blatt sogar die Berufsbezeichnung von Frau Eggert, von Psychologin nun auf Diplom-Soziologin.. Ähh, da läuft aber so einiges schief in dem Verlag – ich rate einfach allen, das Blatt nicht mehr zu kaufen und keine Anzeigen dort zu schalten.

——–

Die Geschäftsführung des Westfalen-Blatt hat mir eben eine Antwort mit ihrer Stellungnahme bezüglich des homophoben „Rates“ geschickt:

Sehr geehrter Herr Schnapper,

vielen Dank für Ihre Nachricht. Anbei sende ich Ihnen die von uns soeben veröffentlichte Stellungnahme.
Für Rückfragen oder Anmerkungen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Frank Best
Geschäftsführung

Zu der Kolumne „Unsere Töchter schützen“, erschienen am 17. Mai in der zur
Unternehmensgruppe WESTFALEN-BLATT gehörenden Sonntagszeitung „OWL am
Sonntag“, nimmt unser Haus wie folgt Stellung:

Sollte die Einschätzung der Diplom-Psychologin Barbara Eggert Ihre Gefühle verletzt haben,
so bedauern wir das außerordentlich. Wir bitten dafür ausdrücklich um Entschuldigung und
versichern, dass uns nichts ferner lag als das. Wir haben Verständnis dafür, wenn beim
Lesen insbesondere der kurzen Fassung der Kolumne „Guter Rat am Sonntag“ der Verdacht
der Homophobie entstehen konnte. Das WESTFALEN-BLATT weist aber zugleich den
Vorwurf zurück, der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit das Wort reden zu wollen.

Sehr selbstkritisch müssen wir einräumen, dass in der Kolumne so formuliert wird, dass der
Text Kritik geradezu herausfordert. Das ist unzweifelhaft eine gravierende journalistische
Fehlleistung, die die Redaktion in vollem Umfang zu verantworten hat. Wenn die Rede davon
ist, dass die Kinder „verwirrt werden“ könnten, dann fehlt zwingend die Erklärung, woraus
dies resultieren könnte – nämlich nicht aus dem Besuch einer Hochzeit zweier Männer an
sich, sondern dadurch, dass den beiden Töchtern des Ratsuchenden bisher jegliche
Aufklärung über Homosexualität fehlt.

Diese Entscheidung der Eltern ist sicher für sich genommen diskussionswürdig. Wir halten
sie mit Blick auf das Alter der Töchter – die Mädchen sind acht und sechs Jahre alt –
allerdings durchaus für legitim. Selbstredend kann das jeder Erziehungsverantwortliche für
sich selbst und seine Schutzbefohlenen natürlich anders sehen und handhaben. Diese Eltern
aber haben für sich so entschieden, und auf dieser Entscheidung wiederum fußt der Rat
unserer Autorin.

Barbara Eggert erklärt persönlich: „Hier geht es nicht um meine Weltanschauung oder einen
gesellschaftlichen Konflikt, sondern um ein ganz privates, nicht repräsentatives Problem
eines verunsicherten Vaters. Ich habe ihm geschrieben, dass seine Kinder vielleicht nicht
liberal genug erzogen wurden und ihm geraten, ein offenes Gespräch mit seinem Bruder zu
suchen, um seinen Standpunkt zu erklären. Ich bin der Meinung, dass man alle Menschen
ernst nehmen und respektieren muss, auch die, und gerade die, die anders denken als man
selbst, alles andere würde mir intolerant erscheinen.“

Geradezu absurd ist vor diesem Hintergrund der Verdacht, das WESTFALEN-BLATT
empfehle „Kinder von Homosexuellen fernzuhalten“. Dem widerspricht schon das
geschilderte Ausgangsszenario seitens des Familienvaters, wonach seine beiden Töchter in
gutem Kontakt zu ihrem Onkel stehen. Auch ging es im vorliegenden Fall um eine ganz
konkrete Lebenssituation und nicht um eine generelle Handlungsempfehlung. Diese steht
uns weder zu noch würden wir sie uns anmaßen.

Die Kolumne können Sie unter (LINK) nachlesen.

Ulrich Windolph

Redaktionsleiter WESTFALEN-BLATT

Stellungnahme online beim Westfalen-Blatt: http://www.westfalen-blatt.de/Ueberregional/Artikel/1981377-In-eigener-Sache-Stellungnahme-zum-Artikel-Unsere-Toechter-schuetzen

Das Statement auch als Grafik/Screenshot:

Screenshot from 2015-05-19 16:48:45

Ich lass das erst jetzt mal so stehen und bin gespannt auf weitere Reaktionen… Was meint ihr? Reicht die Stellungnahme vom Redaktionsleiter? Kommentiert doch eure Meinungen.

4 Antworten zu “Stellungnahme @westfalenblatt bezüglich #Homophobie Vorwürfe und #Shitstorm #westfalenblatt

  1. Pingback: #Shitstorm: Das @westfalenblatt und deren #homophobe Ratgeberin Barbara Eggert | alexander schnapper·

  2. Naja, wodurch entsteht wohl die in dem Text beschriebene Verwirrung der Kinder? Wodurch wird die Aufklärung über Homosexualität, die den Töchtern des Ratsuchenden angeblich fehlen würde, überhaupt erst notwendig?

    Indem man die Kinder die ersten sechs bis acht Jahre ihres Lebens in einer reinen Hetero-Scheinwelt aufwachsen lässt, die nur die Beziehung Mann-zu-Frau kennt, und den anderen Teil der Realität ausblendet.

    Lernen Kinder hingegen von Anbeginn ihrer Geburt gar nichts anderes kennen, als dass es auch gleichgeschlechtliche Liebe gibt, so entsteht einerseits keine Verwirrung, und andererseits entfällt auch die sogenannte Aufklärung. Ist doch logisch, oder?

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